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Der Einfluss von Architekt Bernard Simon auf Ragaz

1816 - 1940

Portrait Bernhard Simon 1816 - 1900. Begründer der Kuranstalten Ragaz-Pfäfers
 

Bernhard Simon (1816 - 1900)
Begründer der Kuranstalten Ragaz-Pfäfers


Zu Fuss begab sich der 1816 geborene Sohn eines armen, aber fleissigen Schuhmachers auf den drei Tage langen Weg von seinem Heimatort Näfels nach Lausanne. Dort lernte er das Bauhandwerk von der Pike auf. In St. Petersburg baute der kleine Napoleon Paläste für die russischen Adelsfamilien. Nach St. Gallen zurückgekehrt, engagierte er sich am Eisenbahnbau der Ostschweiz. In einer ausserordentlichen Session übertrug der Grosse Rat dem Pionier Simon die seit der Auflösung des Klosters dahin darbende Domäne Ragaz im Gesamtumfang von 70 Hektaren Land (Kauf- und Konzessionsvertrag aus dem Jahr 1867). Dazu gehörten alle Gebäude und Liegenschaften, samt den Ruinen Freudenberg und Wartenstein, der Niklausenwald und die Wasserwerke an der Tamina.

Der Konzessionsvertrag überliess dem Unternehmer Simon auf hundert Jahre die Thermalquellen und das Bad Pfäfers, samt Fahrweg und Thermalwasserleitung, die er auf eigene Kosten zu erhalten hatte. Zudem musste er einen grossen Gasthof, samt Garten und Parkanlagen bauen. Auch der Kursaal, eine Trinkhalle und das heute noch bestehende alte Therapiebad waren Bauverpflichtungen, die Bernhard Simon in wenigen Jahren erfüllte.

In der Folge fand sich in Ragaz die grosse Welt ein. Es fehlte nicht an gekrönten Häuptern, kamen doch der russische Adel, die Könige von Württemberg, Sachsen und Rumänien zur Kur nach Ragaz. Der dänische Dichter Christian Andersen fühlte sich in der märchenhaften Umgebung wohl. "Hier sein ist herrlich" schrieb Rainer Maria Rilke.

Feldmarschall von Moltke wollte in Ragaz so unerkannt als möglich bleiben. Es sprach sich aber doch herum, dass Graf Moltke im Lande sei. Ein Pfäferser Bauer sprach den ihm unbekannten Moltke an. "Es scheint, dass auch der grosse Moltke in Ragaz ist. Wissen Sie vielleicht, wie er aussieht? "Ach, nicht anders als einer von uns beiden", wehrte der schmunzelnde Stratege ab. Dem Philosophen Wilhelm Josef von Schelling, der seinen Lebensabend in Ragaz verbrachte, liess König Maximilian II. von Bayern sogar ein Denkmal errichten.

Auf dem Friedhof befindet sich auch das Simonsche Familiengrab. Zitieren wir aus der Berichterstattung nach der Beisetzung von Bernhard Simon: "Die Schulen und die Kirchen beider Konfessionen erfreuten sich seiner tatkräftigen Hilfeleistungen. Noch zwei Jahre vor dem Tod schenkte er der Politischen Gemeinde Fr. 50 000.-- für eine Hydrantenanlage. Für seine grossen Leistungen erteilte ihm die Ortsgemeinde das Ehrenbürgerrecht. Nicht unbegründet wurde Bernhard Simon mit ergreifender Feierlichkeit am 1. August 1901 in Ragaz bestattet."

In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg zählte man bis 130 000 Übernachtungen, die sogenannten Logiernächte. Vier von fünf Kurgästen waren Deutsche. Heute machen die Ausländer insgesamt 25 % aus. Während und nach dem ersten Weltkrieg fiel diese reiche Oberschicht aus. Das goldene Zeitalter schien nicht mehr wiederkehren zu wollen. Als der zweite Weltkrieg ausbrach und die Zahl der Übernachtungen auf 38 000 fiel, musste im Jahr 1940 der "Quellenhof", das Flaggschiff der Bad Ragazer Hotellerie, sogar geschlossen werden.


Quelle
Ragazetta spezial / Oktober 2004

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